Das Gedenken an polnische und ukrainische Zwangsarbeiter auf dem Finkenberg

von Ines Skibinski

In Bonn-Beuel, Stadtteil Limperich, befindet sich ein unscheinbarer Gedenkort. Es handelt sich um den alten ehemaligen Steinbruch am Finkenberg. Einzig ein bescheidener Gedenkstein erinnert heute daran, was dort vor gut 80 Jahren passiert ist. Auf dem Stein ist die folgende Inschrift eingraviert:

„In Erinnerung an die ohne Gerichtsverfahren hingerichteten polnischen Zwangsarbeiter

Geslaw Worech 29.2.1911 – 29.7.1941

Tichon Sobcuk 22.6.1923 – 4.4.1944

Felix Garbarek 20.10.1914 – 29.7.1941

Gedenken wir hier allen Opfern der Gewaltherrschaft”

An diesem Ort wurden während der NS-Zeit Menschen durch Nationalsozialisten ermordet. Die drei aufgeführten Personen haben kein Gerichtsverfahren, keine Verteidigung, keine rechtliche Anhörung erhalten, ehe sie ihr Leben dort verloren haben. Der Grund der Hinrichtung war, dass diese Männer angeblich intimen Kontakt zu deutschen Frauen gehabt haben sollen.[1] Die Strafe, die sie dafür erhalten haben, war der Tod durch den Galgen. Um anderen Zwangsarbeiter:innen ein abschreckendes Beispiel zu bieten, waren auch polnische Zwangsarbeiter:innen gezwungen bei der Hinrichtung zugegen zu sein und sich diese anzuschauen.[2]

Erst Ende der 1980er Jahre wurde das Leid und der Mord der polnischen Zwangsarbeiter:innen überhaupt bekannt. Es war die Initiative einer Projektgruppe von Schüler:innen und Lehrenden der Integrativen Gesamtschule Beuel, geleitet von Dr. Hans Joachim Teichler und Gisela Gebauer, die auf diese Geschichte aufmerksam gemacht haben und es der breiten Öffentlichkeit zugänglich machten. Auch sie waren es, die sich dafür einsetzten, dass an dieser Stelle ein Gedenkstein aufgestellt wurde, was am 10.12.1987 nach langem Kampf mit Behörden und Verwaltung endlich stattfand.[3]

Es handelt sich hierbei um eine Leerstelle im kollektiven Gedächtnis einer Stadt, die sich bisher zu wenig mit dem Thema Zwangsarbeit beschäftigt hat. Es wird der ermordeten und vertriebenen jüdischen Bevölkerung gedacht, es gab universitäre Ausstellungen, welche Kriegsschäden in Bonn zeigen und es gibt eine Gedenkstätte die sich mit der NS-Zeit beschäftigt. Die Erinnerung an die Tausenden Zwangsarbeiter:innen, die nicht nur in Bonn ausgebeutet wurden, spielt jedoch nur eine sehr marginale und untergeordnete Rolle im kollektiven Gedächtnis.

Die Zwangsarbeiter vom Finkenberg

Die Schicksale der drei Zwangsarbeiter, die in Limperich ihr Leben verloren haben, ist exemplarisch für Tausende Opfer, denen das Gleiche in Deutschland der 1940er Jahre widerfahren ist. Allein in Bonn gab es ca. 7.000 Zwangsarbeiter:innen aus Osteuropa, die in Unternehmen wie der Jutespinnerei, den Vereinten Alluminiumwerken, der Moeller AG., der Firma Sonnecken und weiteren Orten zwangsbeschäftigt waren.[4] Davon sind 2.300 namentlich bekannt.[5] Zivilarbeiter:innen wurden anfangs noch durch das deutsche Arbeitsamt, welches in den durch Nazi-Deutschland besetzten Gebieten tätig war, um Arbeitskräfte ins Reich zu rekrutieren, unter falschen Vorwänden hergelockt und ausgebeutet. Die Menschen, die sich zunächst noch freiwillig zum Dienst in Deutschland meldeten, auch „Fremdarbeiter“ genannt, dachten, dass sie auf diese Weise bessere Chancen hätten den Krieg zu überleben, ihre Familien schützen und ihnen finanziell helfen zu könnten. Die Vorstellung von der Arbeit, die in Deutschland zu leisten war, war meistens falsch. Als sich deswegen immer weniger Menschen freiwillig meldeten und die fatalen Arbeitsbedingungen bekannt wurden, kam es vielerorts zu Straßenrazzien, die das Ziel hatten wahllos Menschen festzunehmen und zu Zwecken der Zwangsarbeit nach Deutschland zu bringen. Heute weiß man, dass die Registrierung der verschleppten Menschen sehr unzureichend und unsorgfältig vor sich ging. Es häufen sich falsche Schreibweisen, falsche Nationszugehörigkeiten und Lebensdaten.[6] Dies scheint auch im Fall der drei ermordeten Polen aus Limperich so zu sein. Der Vorname von Geslaw Worech ist auf dem Mahnmal mit einem G geschrieben, was unmöglich der Wahrheit entsprechen kann, da „Geslaw” als Name im Polnischen nicht existiert. Es ist zu vermuten, dass er Czesław hieß. Mal wird der Nachname Worech, manchmal Woresch oder Woroschgeschrieben, was in allen drei fällen nicht der polnischen Schreibweise entspricht. Und auch das Geburtsdatum was auf dem Stein eingraviert ist entspricht nicht der Wahrheit, denn Worech wurde am 27.7.1911 und nicht am 29.2.1911 geboren.[7] Auch wird beim Name „Felix“ im Polnischen die Schreibweise „Feliks“ genutzt. Es ist anzunehmen dass Tichon Sobčuk kein Pole, sondern Ukrainer war.[8] Hierzu ist jedoch anzumerken, dass zu dem Zeitpunkt der Inhaftierung kein ukrainischer Staat existent war und die westlichen Teile des heutigen Gebiets der Ukraine zu Polen und die östlichen Teile zur Sowjetunion gehört haben.

Wie aus Dokumenten des Arolsen-Archivs hervor geht, kam Gabarek ursprünglich aus Jaroszyn und Worech aus Rawicz, beides liegt in Großpolen.[9] Die zwei polnischen Opfer waren Soldaten des 57. Infanterieregiments der polnischen Armee und verteidigten die Hauptstadt Warschau nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939.[10] Die Männer gerieten daraufhin in deutsche Gefangenschaft. Die Gefangenen gingen zuerst nach Marienburg, wo sie offiziell als Kriegsgefangene registriert wurden.[11] Vorerst trennten sich ihre Wege, denn Worech wurde direkt nach Duisdorf ins Stammlager gebracht, Garbarek wurde jedoch in ein anderes Lager versetzt. Wie sich die beiden in Bonn wieder begegnet sind ist bislang unklar. Beide waren in der Landwirtschaft beschäftigt. Laut Tichlers Aufzeichnungen handelte sich beim Dienstherrn der beiden um „Bauer G. Aus Villich-Rheindorf“, der sie bezichtigt hatte, seiner Magd zu nahe gekommen zu sein.[12] Dies konnte der Sohn des Bauern im Nachhinein jedoch nicht bestätigen. Dieser intime Verkehr zwischen Zwangsarbeiter:innen und Deutschen Bürger:innen galt als Straftat, die laut NS-Ideologie mit dem Tode bestraft gehörte.[13] Nachdem diese Beziehungen den Behörden bekannt gemacht wurden, vermutlich durch „Bauer G“, vernahm die Bonner Gestapo-Außendienststelle beide Männer und nahm sie fest. Erst wurde ein Gutachten erstellt, ob es die Möglichkeit gäbe Gabarek und Worech auf Grundlage von Gesundheitszustand und der ideologischen Rassenlehre einzudeutschen. Dies war nicht der Fall, da sie nicht „arisch genug“ aussahen und somit nicht germanisiert werden konnten.[14] Daraufhin wurde der Fall an die Gestapo-Leitstelle in Köln weitergeleitet sowie an das Reichssicherheitshauptamt, welches dann die Entscheidung fällte, dass beide polnischen Zwangsarbeiter der „Sonderbehandlung“ unterzogen werden sollten. Dies bedeutete Tod durch den Strang. Die Durchführung der Todesstrafe oblag nun wieder der Bonner Gestapo Außendienststelle, die damals in den Gebäude ansässig war, wo sich heute das Arbeitsgericht in Bonn befindet.[15]

Es ist bekannt, dass eine Beueler Möbelfabrik einen mobilen Galgen zu diesen Zecken der Bonner Gestapo hergestellt hatte.[16] Der Leiter der Gestapo in Bonn, Walter Proll und der Bürgermeister hatten nun die Aufgabe eine nicht einsehbaren Ort für die Exekution auszuwählen, wofür sich die Stelle am alten Steinbruch am Finkenberg hervorragend eignete.[17] Von ihrem bevorstehenden Tod erfuhren die Angeklagten 24 Stunden vor der Hinrichtung. Unmittelbar vor der Tötung auf dem Finkenberg wurden beide vom zuständigen Landrat unterrichtet und der Exekutionserlass wurde ihnen verlesen. Es waren neben den zahlreichen Zwangsarbeiter:innen auch Polizeibehörden und der Beueler Ortsgruppenleiter der NSDAP, Otto Klamp, sowie Mitglieder des Anatomischen Instituts der Universität Bonn anwesend.[18] Letztere waren dazu da, um nach der Hinrichtung die Körper entgegen zu nehmen, damit Studierende an den Leichen üben konnten oder, sie dienten als Anschauungsmaterial. Die Tötung wurde von zwei polnischen Zwangsarbeitern vollzogen, die zuvor von der Sonderbehandlung freigestellt waren.[19] Diese grausame Szene hat wohl ein damals 7-jähriger Junge vom Finkenberg mitbekommen.[20] Er bekam mit, wie die Gestapo Zwangsarbeiter:innen den Hügel früh morgens hochtrieb und sie sich um einen Galgen herum aufstellen mussten. Er beobachtete dies heimlich, da es der deutschen Zivilbevölkerung streng verboten war Exekutionen beizuwohnen, wohl damit es keine Zeug:innen gab. Der Junge erzählte im nachhinein, dass einer der Männer den Henker anflehte seinen Mitverurteilten zu verschonen, da er nichts mit der Tat zu tun gehabt habe und unschuldig sei.[21] Diese Bitte blieb jedoch unerhört.

Die Hinrichtung lief wie folgt ab: Die zwei zum Tode Verurteilten wurden auf einen Tisch gestellt, ihr Kopf wurde durch eine Schlinge gezogen, eine schwarze Kapuze wurde ihnen aufgesetzt und ihre Hände wurden ihnen auf dem Rücken zusammengebunden. Ein Gestapobeamter, sowie ein Dolmetscher verlasen daraufhin das Urteil inklusive der Begründung. Woraufhin den Männern die Tischplatte unter den Füssen weg gezogen wurde und Beide durch die Strangulation des Halses starben. Sie waren jedoch nicht sofort tod. Erst nach zehn Minuten wurde von einem anwesenden Arzt der Tod festgestellt, woraufhin die Leichen an das bereits erwähnte Anatomische Institut der Bonner Universität übergeben wurden.[22] Über die Ermordung Tichon Sobcuks ist weitaus weniger bis gar nichts bekannt. Wir wissen nur, dass er am 22.6.1923 in Michail (vermutlich Mykolajiw, Oblast Lviv) geboren wurde und in Meckenheim tätig war[23]. Er wurde am 4.4.1944 in einer geheimen Aktion auch auf dem Finkenberg durch die Bonner Gestapo ermordet. In der polizeilichen Akte Sobcuks steht, dass er wegen des Strafbestands des Mordes in die Bonner Haftanstalt eingeliefert wurde. Die Familien der Getöteten haben nie den wahren Todesgrund erfahren und wurden auch nicht von der Hinrichtung und dem Ableben informiert. Dieser Vorgang ist ersichtlich in Akten des Anatomischen Instituts und Gerichtsakten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden, als es zu Prozessen gegen Bonner Beamte kam.[24]

Nun drängt sich die Frage auf, was mit den Frauen passiert ist, mit denen Garbarek und Worech intime Kontakte hatten. Diese Damen sind wohl mit sehr milden Strafen davon gekommen.[25] Allerdings ist bekannt dass eine deutsche Siebzehnjährige, die Liebesbriefe an einen Zwangsarbeiter geschrieben hat, an den Pranger in Bonn gestellt wurde.[26]

Initiative der Integralen Gesamtschule Bonn Beuel in den 1980er Jahren  

Vielen Bewohner:innen des Finkenbergs, besonders der älteren Generation, war bekannt, dass beim alten Steinbruch ein Galgen stand den die Gestapo zu Hinrichtungen nutzte, jedoch redete man nur ungern über die Vorkommnisse dieser Zeit. Es hat erst eine Projektwoche der Integrativen Gesamtschule Bonn Beuel und ihre mutige Schüler:innen gebraucht, die sich mit den Ereignissen auf dem Finkenberg beschäftigt haben und so die Geschichte der drei ermordeten Zwangsarbeiter der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Betreut wurde das Projekt, welches den Namen „Fremdarbeiter in Beuel“ trug, von den Lehrer:innen Jochen Teichler und Gisela Gebauer und sollte im Zeitraum vom 13-18.10.1986 von den Schüler:innen, die im alter zwischen 14 und 18 Jahren waren, bearbeitet werden. Was durch die Archivarbeit und die Zeitzeug:innengespräche heraus kam, war jedoch mehr als man zu Beginn der Projektwoche hätte vermuten können.

Die Schüler:innen sind durch eine Satz auf die Gräueltaten aufmerksam geworden, diese stand in der Bonner Stadtchronik: „Beuel sah nicht nur Fliegerangriffe, sondern in den Jahren 1942/43 auch das makabere Schauspiel von öffentlichen Hinrichtungen auf dem Finkenberg, es handelte sich um je zwei polnische und russische Gefangene“.[27]Wobei heute bekannt ist, dass es sich doch um drei Opfer handelt, zwei Polen und einen Ukrainer. Wie die Schüler:innen später in einem Projektbroschüre schrieben, war ihnen das zu wenig an Information, weswegen sie weiter forschten und mit Hilfe des Vereins „An der Synagoge“ und von Zeitzeug:innen das Geschehene rekonstruieren konnten. Nach Abschluss dieser intensiven Projektwoche war das Anliegen der Gruppe eine Gedenktafel an dem Platz aufzustellen, wo vermutlich der Galgen stand. Dieses Vorhaben stieß jedoch auf recht viel Gegenwehr von verschiedenen Seiten. Vorerst stellten die Schüler:innen ein provisorische hölzerne Gedenktafel auf, die mit folgenden Worten versehen war: „Wir gedenken der Opfer der NS-Gewaltherrschaft! In diesem ehemaligen Steinbruch wurden Fremdarbeiter ohne Gerichtsverfahren von der Gestapo hingerichtet. Namentlich bekannt sind:…“[28] Diese Tafel wurde mehrfach beschädigt und mit Absicht zerstört. Im März 1987 schrieb Dr. Friedhelm Boll, ein Anwohner des Finkenbergs und Bonner Historiker, eine Leserbrief an den Bonner General Anzeiger, dass die Tafel bereits drei mal gezielt aus der Verankerung gerissen wurde. Die lokale CDU vermutete Vandalismus, die Betrachtung der genaueren Umstände und deren Zielgerichtetheit spricht jedoch dafür, dass kein Rowdytum dahinter steckte, sondern ein politisches Statement.[29]

Auch als sich die Gruppe für einen Stein als Mahnmal einsetzte, gab es Gegenwind von der örtlichen CDU. Die Lehrer:innen und Schüler:innen besuchten die Sitzung der Bezirksvertretung, wo mit den Stimmen der Beueler CDU der Vorschlag einer Errichtung, der zusammen mit der SPD eingereicht wurde, abgelehnt wurde. Die offizielle Begründung lautete, dass dieser Ort „unwürdig sei“,[30] da dort nach dem Krieg eine Mülldeponie angelegt wurde. Ein zweiter Antrag der Projektgruppe wurde möglich, dank der positiven Resonanz aus der Bevölkerung und einer Unterschriftensammlung. Man hat auf verschiedene Weisen versucht die lokale Bevölkerung auf die Geschehnisse vom Finkenberg aufmerksam zu machen, mittels Ausstellungen und Infobroschüren, die die Schüler:innen selber anfertigten, außerdem ist zu dem Zeitpunkt bereits die Presse auf die Initiative aufmerksam geworden. Erschwerend kam noch hinzu kam, dass der Projektleiter Jochen Teichler wegen Verleumdung angeklagt wurde. Der Vorsitzende des Beueler CDU-Ortsverbandes, Klaus Friedrichs, erstattete Anzeige wegen Verunglimpfung des Andenken Verstorbener. Denn Klaus Friedrichs war der Sohn von Johann Friedrichs, der zeitweise NSDAP-Ortsgruppenleiter in Beuel war und es somit im Rahmen des Möglichen lag, dass er bei den Hinrichtungen zugegen war.[31] Diese Verbindung von Friedrichs, der Beueler CDU und deren ersten Absage an das Mahnmal hätten somit in unmittelbarem Zusammenhang stehen können. Dies ist nicht bewiesen, wäre jedoch sehr wahrscheinlich.

Wichtig war der Projektgruppe auch, dass man Kontakt nach Polen aufnimmt und so einen kleinen Teil zu deutsch-polnischen Versöhnung beitragen könnte. Man wollte vor allem die Angehörigen der Ermordeten ausfindig mach, weswegen man sich zuerst an die Botschaft der Volksrepublik gewandt hat um Informationen zu sammeln. Diese verwies die Gruppe an einen Psychologen, der Deutsch konnte und einen rührenden Brief an die Gruppe schrieb, den man in der Broschüre „Mach was“ nachlesen kann.  Doch die Ermittlungen waren erfolglos und eine Reise nach Polen, die sich die Schüler:innen gewünscht haben, in die Städte wo die Ermordeten herkamen, fand leider auch nicht statt.

Einen Erfolg konnte die Projektgruppe verbuchen. Nach langem Kampf wurde das Mahnmal, dass heute immer noch auf dem Finkenberg steht, von der Stadt Bonn genehmigt. Zwar nicht mit der von den Schüler:innen gewünschten Aufschrift, trotzdem war es ein zweifelloser Erfolg, dass diesen Opfern nun mit einem festen, in der Erde verankerten Gedenkstein gedacht wird. Leider hielt das Vandalierende nicht davon ab 1997 den Gedenkstein mit Schmierereien und Graffiti zu verschandeln.[32] Da nach monatelangem Warten, diese von der Stadt immer noch nicht entfernt waren, nahm sich der bereits erwähnte Historiker Friedhelm Boll der Sache an und reinigte den Stein zusammen mit seinen Töchtern in mühevoller Kleinstarbeit selber.[33]  

Schlussbetrachtung

An diesem Fall sehen wir, wie unterschiedlich und mit welch unterschiedlichen Motivationen Menschen an die lokale Geschichte heran treten. Die einen setzen sich mit Herzblut für ein Gedenken ein und die Anderen versuchen mit aller Kraft dies zu verhindern.

Äußerst befremdlich war während der Lektüre in älteren Artikeln aus den 1980er Jahren, der Gebrauch der Worte „Fremdarbeiter“[34] oder „Fronarbeit“[35] im Kontext von Zwangsarbeit. Es ist zwar bekannt das zu Beginn viele Menschen aus Osteuropa sich freiwillig zu der Arbeit in Deutschland meldeten, die häufig „Fremdarbeiter“ genannt wurden. Dies ist jedoch bei den Ermordeten vom Finkenberg nicht der Fall, sie kamen als Kriegsgefangene und wurden in Bonn zu Zwangsarbeitern. Außerdem ist diese Unterscheidung heute nicht mehr korrekt, da die Begriffe den Zwang nicht zum Ausdruck bringen. An diesem Beispiel, sehen wir, wie sehr sich in den letzten 40 Jahren auch die Perspektive auf das Geschehene geändert hat. Heute versucht man die Gräueltaten nicht hinter Euphemismen, wie „Fremdarbeiter“ zu verstecken, sondern der Realität Ausdruck zu verleihen und den unfreiwilligen, gewalttätigen und unbezahlten Charakter dieser Arbeit deutlich zu machen.

Es ist jedoch ein großes Unglück, dass bei der Erstellung des Steins nicht sorgfältig genug auf die richtige Schreibweise der Namen der Opfer geachtet wurde. Es wäre eigentlich nur das einzig richtige, die Inschrift des Mahnmal auf dem Finkenberg zu erneuern und mit den korrekt geschriebenen Namen, Daten und Nationalitäten zu verstehen. Es war ganz sicher nicht die Absicht der Initiative, die dieses Mahnmal hervorgebracht hat, die durch die Täter falsch geschriebenen Namen dort verewigt zu sehen. Durch die Zusammenarbeit mit Menschen, die über  Polnischkenntnisse verfügen, hätte man die Erinnerungen die Opfer zusammen mit der richtigen Schreibweise ihrer Namen aufrecht erhalten können. Trotz diesen kleinen Makels ist diese Aktion, welche von der Gesamtschule Bonn-Beuel ausging, eine unvergleichlich mutige Herangehensweise an die Erforschung der eigenen lokale Geschichte und ein guter Weg junge Leute für die eigene Geschichte zu faszinieren.  


[1]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 233.

[2]Vgl. Teichler, Jochen: Aufzeichnungen vom 18.12.1986 „Chronologie des Projekts „Fremdarbeiter in Beuel“.

[3]Vgl.Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 235.

[4]Vgl. Hagenberg-Miliu, Ebba: „Polnische Zwangsarbeiter in der NS-Zeit“ in Beuel hingerichtet, weil sie deutsche Frauen liebten, in: Generalanzeiger, 27.5.2021.

[5]Vgl. Altmann-Radwanska, Jolanta: Polnische Kriegsgefangene  und Zwangsarbeiter in Bonn während des Zweiten Weltkrieges. Beschäftigungsbereiche, Arbeitsleistung und Behandlung, in: Dahlmann, Dittmar / Kotowski, Albert / Schloßmacher, Norbert /Scholtyseck (Hg.): Zwangsarbeiterforschung in Deutschland, Essen 2010, S. 215.

[6](Siehe Beitrag mit Nina B/Warishnikowa)

[7]Vgl. Altmann-Radwanska, Jolanta: Polnische Zwangsarbeiter ihn Bonn.Eine Fallstudie mit Beispielen aus der Beueler Jutespinnerei, in: Dahlmann, Dittmar / Kotowski, Albert / Schloßmacher, Norbert /Scholtyseck (Hg.): „Schlagen gut ein und leisten Befriedigendes“ Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Bonn 1940-1945, Bonn 2006, S.126.

[8]Vgl. Altmann-Radwanska, Jolanta: Polnische Zwangsarbeiter ihn Bonn.Eine Fallstudie mit Beispielen aus der Beueler Jutespinnerei, in: Dahlmann, Dittmar / Kotowski, Albert / Schloßmacher, Norbert /Scholtyseck (Hg.): „Schlagen gut ein und leisten Befriedigendes“ Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Bonn 1940-1945, Bonn 2006, S.126.

[9]Vgl. Teichler, Jochen: Aufzeichnungen vom 18.12.1986 „Chronologie des Projekts „Fremdarbeiter in Beuel“.

[10]Vgl. Altmann-Radwanska, Jolanta: Polnische Zwangsarbeiter ihn Bonn. Eine Fallstudie mit Beispielen aus der Beueler Jutespinnerei, in: Dahlmann, Dittmar / Kotowski, Albert / Schloßmacher, Norbert /Scholtyseck (Hg.): „Schlagen gut ein und leisten Befriedigendes“ Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Bonn 1940-1945, Bonn 2006, S.126.

[11]Vgl. Altmann-Radwanska, Jolanta: Polnische Zwangsarbeiter ihn Bonn. Eine Fallstudie mit Beispielen aus der Beueler Jutespinnerei, in: Dahlmann, Dittmar / Kotowski, Albert / Schloßmacher, Norbert /Scholtyseck (Hg.): „Schlagen gut ein und leisten Befriedigendes“ Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Bonn 1940-1945, Bonn 2006, S.126.

[12]Vgl. Teichler, Jochen: Aufzeichnungen vom 18.12.1986 „Chronologie des Projekts „Fremdarbeiter in Beuel“.

[13]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 223.

[14]Vgl. Hagenberg-Miliu, Ebba: „Polnische Zwangsarbeiter in der NS-Zeit“ in Beuel hingerichtet, weil sie deutsche Frauen liebten, in: Generalanzeiger, 27.5.2021.

[15]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 233.

[16]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 234.

[17]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 234.

[18]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 234.

[19]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 234.

[20]Vgl. Beyer, Günther: Schüler auf den Spuren der Nazi-Frevel. Ein Stein, wo Zwangsarbeiter sterben mussten, in: General Anzeiger Bonn, 20.4.1988.

[21]Vgl. Beyer, Günther: Schüler auf den Spuren der Nazi-Frevel. Ein Stein, wo Zwangsarbeiter sterben mussten, in: General Anzeiger Bonn, 20.4.1988.

[22]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 235.

[23]Vgl. Teichler, Jochen: Aufzeichnungen vom 18.12.1986„Chronologie des Projekts „Fremdarbeiter in Beuel“.

[24]Vgl. Rey, Manfred van: Bonn in bitteren Zeiten.1933-1945, Bonn 2021, S. 235.

[25]Vgl. Hagenberg-Miliu, Ebba: „Polnische Zwangsarbeiter in der NS-Zeit“ in Beuel hingerichtet, weil sie deutsche Frauen liebten, in: Generalanzeiger, 27.5.2021.

[26]Vgl. Hagenberg-Miliu, Ebba: „Polnische Zwangsarbeiter in der NS-Zeit“ in Beuel hingerichtet, weil sie deutsche Frauen liebten, in: Generalanzeiger, 27.5.2021.

[27]Vgl. Projektbroschüre der Jugendinitiative „Mach was“, 1987, S. 125.

[28]Vgl. Projektbroschüre der Jugendinitiative „Mach was“, 1987, S. 125.

[29]Vgl. Boll, Friedhelm: Leserbrief an den General Anzeiger, Bonn

[30]Vgl. Spiegel Artikel vom 15.12.1986, in: 20. Jahre IGS Bonn Beuel, S.56.

[31]Vgl. O.A.: Friedrichs geht zum Staatsanwalt, in General Anzeiger Bonn, 17.12.1986.

[32]Vgl. Boll. Friedhelm: Die Schule geht in den Stadtteil. Der Gedenkstein im ehemaligen Steinbruch am Finkenberg, in: 20. Jahre IGS Bonn Beuel, S.56.

[33]Vgl. Boll. Friedhelm: Die Schule geht in den Stadtteil. Der Gedenkstein im ehemaligen Steinbruch am Finkenberg, in: 20. Jahre IGS Bonn Beuel, S.56.

[34]Vgl. Spiegel Artikel vom 15.12.1986, in:  20. Jahre IGS Bonn Beuel, S.56.

[35]Vgl. Beyer, Günther: Schüler auf den Spuren der Nazi-Frevel. Ein Stein, wo Zwangsarbeiter sterben mussten, in: General Anzeiger Bonn, 20.4.1988.

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